{"id":153,"date":"2009-01-31T15:24:17","date_gmt":"2009-01-31T14:24:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theater-lassee.at\/?page_id=153"},"modified":"2016-04-28T23:15:52","modified_gmt":"2016-04-28T22:15:52","slug":"campiello","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/archive.theater-lassee.at\/?page_id=153","title":{"rendered":"Campiello"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8220;Der Herr hat uns gegeben nichts als den Atem zum Leben.<br \/>\nNichts als M\u00fche und Plag ist der kommende Tag.<br \/>\nEinen leeren Ranzen. Ein Bett voller Wanzen.<br \/>\nGottvertrauen und aufs Jenseits bauen.<br \/>\nDa werden wir eben unsere Stimmen erheben<br \/>\nund schreien: Wo bleibt unser Leben?&#8221; <\/em><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Das St\u00fcck<\/strong><\/span><\/p>\n<p>In Carlo Goldonis Theaterst\u00fcck &#8220;Campiello&#8221; entstand der Witz vor allem durch das Aufeinandertreffen zweier italienischer Dialekte. Ich habe die urspr\u00fcngliche Absicht, das St\u00fcck ins Deutsch zu \u00fcbersetzen, aufgegeben, weil die Konfrontation zweier heimischer Dialekte durchaus nicht soviel hergibt wie im Italienischen.<\/p>\n<p>In meiner Fassung des Campiello treffen weniger zwei verschiedene Arten des Sprechens, sondern vielmehr zwei verschiedene Arten des Denkens, des Bewusstseins aufeinander. Die armen Leute vom &#8220;Campiello&#8221; &#8211; worunter man einen kleinen Platz in Venedig versteht &#8211; repr\u00e4sentieren das Proletariat, ihr Bewusstsein ist ein proletarisches. Den Gegensatz stellt der Cavaliere dar, ein besserer Herr aus Neapel. Diese Begegnung, dieses Aufeinandertreffen verl\u00e4uft solange kom\u00f6diantisch, bis sich die Geister voneinander scheiden, die Klassen voneinander abheben, das Verhalten des Oberen f\u00fcr die Unteren nicht mehr &#8220;witzig&#8221; ist, sie in ihrer Existenz bedroht. Sie k\u00fcndigen das kom\u00f6diantische Verh\u00e4ltnis und setzen anstelle des Witzes die Gewalt.<\/p>\n<p>Dies ist kein St\u00fcck \u00fcber gute und schlechte Menschen. Es ist ein Versuch, das Verhalten der Menschen als etwas von Lebensbedingungen und Lebensm\u00f6glichkeiten Abh\u00e4ngiges darzustellen. Was f\u00fcr die Leute vom Campiello eine Katastrophe ist, was sie wild und gef\u00e4hrlich macht, kann f\u00fcr den Cavaliere eine aufregende Unterhaltung sein.<\/p>\n<p>In noch einem Punkt verlasse ich das Original. Es hat mich schon immer gest\u00f6rt, wenn das Publikum \u00fcber die Liebessehns\u00fcchte \u00e4lter werdender Frauen lacht. Dieses Auslachen, das so krampfhaft die Angst vorm eigenen Altwerden kaschiert, wollte ich dem Publikum nicht schenken. Ich wollte zeigen, dass es nicht l\u00e4cherlich ist, wenn \u00e4lter werdende Frauen auf ihrer Sehnsucht nach Liebe bestehen, sondern mutig.<\/p>\n<div>Peter Turrini<\/div>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Der Autor<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Peter Turrini wurde 1944 in St. Margarethen in K\u00e4rnten geboren. Seine Matura legte er 1963 in Klagenfurt ab und war seitdem in den verschiedensten Berufen t\u00e4tig. Seit 1971 lebt er als freier Schriftsteller in Wien.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Die Besetzung<\/strong><\/span><\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Donna Catte<\/td>\n<td>Hilde Klauda<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Lucietta, ihre Tochter<\/td>\n<td>Sylvia Siebinger<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Anzoletto, Luciettas Verlobter<\/td>\n<td>Franz Valsky<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Donna Pasqua<\/td>\n<td>Antonia Valsky<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gnese, ihre Tochter<\/td>\n<td>Eva-Maria Hansy<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Donna Orsola<\/td>\n<td>Ulrike Ankowitsch<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zorzetto, ihr Sohn<\/td>\n<td>Sonja Pesl<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Sansuga, der Wirt<\/td>\n<td>Michael Ankowitsch<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Fabrizio, ein Gelehrter<\/td>\n<td>Franz Kosak<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gasparina, seine Nichte<\/td>\n<td>Isabell Paminger<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Cavaliere, ein Adeliger<\/td>\n<td>Johannes Schreiner<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Die Regie<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Rudolf Votzi<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Die Fotos<\/strong><\/span><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Die Fotos von der Sondervorstellung in Orth a. d. Donau<br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><\/strong><\/span><\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Der Herr hat uns gegeben nichts als den Atem zum Leben. Nichts als M\u00fche und Plag ist der kommende Tag. Einen leeren Ranzen. Ein Bett voller Wanzen. Gottvertrauen und aufs Jenseits bauen. 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